Sie sehen uns im Schweiß
Aktuellen Entwicklungsstand im WD-Beirat präsentiert
Hanau, 26. März 2010 - Es ist die Stunde der Juristen und der Kaufleute. Der Wettbewerbliche Dialog Hanau (WD) ist kurz vor dem Ziel - und die Kärnerarbeit findet derzeit am Verhandlungstisch statt, bei den intensiven Dialogen der Stadt mit den Investoren 3W und HBB. „Der Wettbewerbliche Dialog ist die einzigartige Chance für unsere Stadt, seit Jahren und Jahrzehnten ungelöste innerstädtische Aufgaben jetzt wirklich umzusetzen", sagte OB Claus Kaminsky am Donnerstagabend bei der Beiratssitzung Wettbewerblicher Dialog im Congress Park Hanau. Der OB weiter: „Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Sie sehen uns im Schweiß."
Erneut war im WD-Verfahren die Meinung der Bürgerschaft gefragt. Mitglieder des Projektteams präsentierten den gegenwärtigen Stand der Entwicklungen. Nur wenige Wochen vor der finalen Entscheidung für den Investor, nach dessen Konzept die Hanauer Innenstadt neu gestaltet werden soll, setzten sich die Beiratsmitglieder mit aktuellen juristischen, planungsrechtlichen und kommunikationspolitischen Details auseinander. Der 140-köpfige Beirat, bestehend aus Vertretern von Politik, Kultur und Wirtschaft, von Vereinen, Interessengemeinschaften und gemeinnützigen Institutionen, ist das bedeutendste Bürger-Resonanzgremium im Verfahren. „Die Anregungen und Meinungen der Beiratsmitglieder als Vertreter der Öffentlichkeit bieten den Experten und dem Projektteam eine Hilfestellung, ohne die der Wettbewerbliche Dialog nicht denkbar wäre", betonte Oberbürgermeister Claus Kaminsky.
Die Beiratssitzung war bereits die vierte im Wettbewerblichen Dialog, sie ist zugleich die letzte vor der Einleitung der Angebotsphase am 19. April 2010. „Alle Beteiligten arbeiten hochkonzentriert auf den Entscheidungstermin hin", so Kaminsky. „Die Informationen verdichten sich immer mehr. Es ist von elementarer Bedeutung - und liegt im Übrigen auch in der Natur des Verfahrens - dass der Beirat über sämtliche Entwicklungen in Kenntnis gesetzt wird und die Gelegenheit für Fragen und Meinungsäußerungen erhält."
Nach knapp zwei Jahren qualitativ hochwertiger Planung rücke die Neugestaltung der Innenstadt nun in greifbare Nähe; mit der in Kürze anstehenden Einleitung der Angebotsphase sei eine der wichtigsten Zwischenetappen auf dem Weg zu einem neuen Hanau erreicht. „Der Magistrat wird am 19. April 2010 die Angebotsphase einleiten. Dann haben die Bieter Zeit bis zum 10. Mai, ihre Angebote abzugeben. Am 25. Mai wird zunächst der Magistrat auf Grundlage der umfangreichen Vorarbeiten des Projektteams entscheiden, welcher der beiden Investoren der Gewinner des Verfahrens ist. Die Stadtverordnetenversammlung wird dann am 31. Mai 2010 entscheiden, wer das neue Hanau bauen wird. Dieser Zeitplan wurde einvernehmlich im Präsidium der Stadtverordnetenversammlung beschlossen", sagte der OB.
Laufende Vertiefung unterschiedlicher Thematiken
Martin Bieberle, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bürgerservice, fasste für den Beirat die Arbeit der vergangenen Tagen und Wochen zusammen: Projektteam und Experten haben in vertiefenden Besprechungen verschiedene Themenkreise abgehandelt. So zeichnen sich beim Thema Mobilität hinsichtlich des verkehrlichen Konzepts konkrete Lösungsvarianten ab, die in den verbleibenden Verhandlungsrunden mit den Bietern diskutiert werden. Mit der Realisierung von Referenzstraßen soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Im Rahmen der Vertragsverhandlungen mit den Investoren fanden erste Erörterungen der Termin- und Maßnahmenpläne statt, weiterführende Gespräch folgen. Zudem haben beide Investoren eine überarbeitete Version der funktionalen Baubeschreibung für Bibliothek und Mobilitätszentrale erhalten.
Details zu Vertragsgestaltung und Bebauungsplanverfahren
Rechtsanwalt Dr. Olaf Otting von der Kanzlei Gleiss Lutz machte den Beirat mit den Eckpunkten der Vertragsgestaltung für die Investoren vertraut. Schwerpunkte seiner Ausführungen waren Details zum Grundstückskaufvertrag für den Freiheitsplatz, zum Mietvertrag für die dortigen Kultureinrichtungen, zum städtebaulichen Rahmenvertrag bezüglich des Einzelhandels und des öffentlichen Straßenraums sowie zu Vertragsinhalten für die Realisierung des Brüder-Grimm-Kulturzentrums, des geplanten Kinos und des neuen Hotels.
Hans-Ulrich Weicker, Leiter des Stadtplanungsamtes, stellte verschiedene Szenarien für das Bebauungsplanverfahren vor. „Wir haben mehrere mögliche Varianten entwickelt. Somit können wir ohne Zeitverzug nach Bekanntgabe der Entscheidung für einen Investor der Stadtverordnetenversammlung einen Bebauungsplan für das Dialoggebiet vorlegen", erläuterte Weicker.
Ständiger Informationsfluss
Steffen Ball, Geschäftsführer der beauftragten Kommunikationsagentur Ball:Com Communications GmbH, erläuterte dem Beirat das Kommunikationskonzept für die kommende Bauphase. Wichtigste Aufgabe sei es, die Bürger ständig und lückenlos auf dem aktuellen Stand der Arbeiten zu halten, so Ball. Unter dem Kampagnennamen „Dein Hanau baut" soll zum Beispiel eine interaktive Website entstehen, auf der jeder Interessierte den Fortgang der Bauarbeiten virtuell verfolgen kann. Eine Schlüsselposition werden dabei die Brüder Grimm einnehmen: Erzählten sie bereits im 19. Jahrhundert Hanauer Geschichten und Tatsachen, sollen sie dies in übertragener Form auch während der Bauphase tun und dafür soziale Online-Netzwerke nutzen. Mit Baustellenführungen und speziellen Events werden die Bauarbeiten für die Bürger aktiv erlebbar. Ball weiter: „Information und Emotion ist das Motto."
Mit dem Bagger in die Vergangenheit
Einen Einblick in den momentanen Stand der Bodenuntersuchungen am Freiheitsplatz erhielt der Beirat von Martin Hoppe, Fachbereich Stadtentwicklung und Bürgerservice. „Wie wir bereits vermutet hatten, sind wir bei den Bohrungen auf Reste der alten Stadtmauer, auf Verfüllungen und Trümmerschutt gestoßen", fasste Hoppe die Ergebnisse der vergangenen Tage zusammen. Die Funde ermöglichen es, Höhe, Breite und Tiefe der historischen Befestigungsanlage zu konkretisieren. Im April wird das Landesamt für Denkmalpflege Hessen eine Bewertung der Funde vornehmen und gemeinsam mit der Stadt die weitere Vorgehensweise festlegen.
Förderprogramm Aktive Kernbereiche
Marion Schmitz-Stadtfeld, Leiterin Fachbereich Stadt- und Gewerbeflächenentwicklung der NH ProjektStadt, stellte das Förderprogramm „Aktive Kernbereiche" sowie das integrierte Handlungskonzept für die Hanauer Innenstadt vor. Sie legte dar, in welchem Umfang die einzelnen Handlungsfelder der Stadtentwicklung - z. B. Verkehr, Landschaftsplanung, Wohnen, soziale Infrastruktur, Nachhaltigkeit und Ökonomie - förderfähig sind.


