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Erste Probebohrungen am Freiheitsplatz

Abschlussbericht für Ende März angekündigt

Hanau, 03. März 2010 - Im Wettbewerblichen Dialog wird heute ein weiterer Meilenstein erreicht. Zum ersten Mal ist er im öffentlichen Straßenraum sichtbar: Auf dem Freiheitsplatz werden ab heute Probebohrungen und Baggerschürfen vorgenommen. Sie dienen der Erkundung von Untergrund und Baugrund des Platzes. Die Baggerschürfen sollen vor allem klären, ob sich unter der Oberfläche archäologisch bedeutsame Reste der historischen Befestigungsanlage sowie Kampfmittel aus dem 2. Weltkrieg verbergen. Über die Probebohrungen wird die tatsächliche Beschaffenheit des Untergrundes umfassend beschrieben und auf dieser Basis ein Baugrundmodell erstellt. Dabei geht es zum einen um geotechnische Fragestellungen wie Gründungsfähigkeit, Grundwasser oder mögliche Hindernisse, zum anderen um bodenschutz- und abfallrechtliche Belange wie die Belastung bisheriger Auffüllungen und stoffliche Zusammensetzung des Baugrundes. Die Bauarbeiten finden aller Voraussicht nach bis zum Ende der dritten Märzwoche statt. Einen abschließenden Bericht wird das beauftragte Ingenieursbüro am 31. März vorlegen.


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Merianstich 1632

"Obwohl die endgültige Entscheidung für einen Investor noch nicht gefallen ist, lassen wir die Probebohrungen bereits jetzt vornehmen. So können wir sicherstellen, dass der später ausgewählte Investor zeitnah mit der Realisierung seines Konzepts beginnen kann", erklärt Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Die Bohrungen und Schürfen sind erforderlich, um Architekten und Ingenieuren Daten für die spätere Planung der Baugruben auf dem Freiheitsplatz an die Hand geben zu können. Dabei liefern die Bauarbeiten Erkenntnisse, die für die Vorhaben beider Investoren relevant sind. "Die Bohrungen sind der erste sichtbare Ausdruck dafür, dass es mit dem Wettbewerblichen Dialog unaufhaltsam voran geht", so der Oberbürgermeister.

An zehn Stellen auf dem Freiheitsplatz werden ab heute Bodenproben genommen. Die Bohrlöcher werden einen Umfang von 20 Zentimetern haben; zwei von ihnen werden 25 Meter tief, die übrigen acht Bohrungen 12 Meter tief sein. Die Bohrungen werden nacheinander an den ausgewählten Stellen vorgenommen und die Löcher unmittelbar nach der Entnahme der Bodenproben wieder verschlossen. Zusätzlich lässt die Stadt fünf so genannte Baggerschürfen vornehmen. Über diese rund vier Meter tiefen und zwischen acht und 15 Quadratmeter großen Bodenöffnungen können die oberflächennahe Beschaffenheit des Bodens untersucht und eventuell vorhandene archäologisch relevante Baureste freigelegt werden.

Der Durchgangsverkehr wird von den Probebohrungen und Baggerschürfen nicht beeinträchtigt sein, die Stadt bittet die Anwohner und Bürger aber um Verständnis für die unvermeidliche Lärmbelästigung durch die Bauarbeiten, die täglich außer sonntags zwischen 8.00 und 17.00 Uhr stattfinden. Erste Voruntersuchungen und Kampfmittelerkundungen laufen bereits seit 1. März. Mit den Bohrungen hat die Stadt das Ingenieur- und Sachverständigenbüro Dr. Thomas Pfirrmann aus Wörth am Rhein beauftragt. Das Büro hat bereits zahlreiche Projektarbeiten für Hanau abgewickelt.

Zwei große Unbekannte werden die Bohrungen beherrschen: In welchem Umfang existieren noch archäologisch interessante Reste alter Festungsanlagen unter dem Freiheitsplatz? Und inwieweit ist der Boden mit Altlasten aus der Bombardierung während des 2. Weltkriegs behaftet? Die Festlegung der Bohrstellen erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Während der gesamten Dauer der Bauarbeiten werden sowohl ein Archäologe als auch ein Kampfmittelexperte anwesend sein.

Zudem sollen die Bohrungen Aufschluss über die Tiefe des Grundwasserspiegels sowie die stoffliche Zusammensetzung des Bodens geben und damit die Bebaubarkeit des Untergrundes klären. Bisher gibt es aus dem Bereich des Freiheitsplatzes nur einen Baugrundaufschluss mit einer Endtiefe von lediglich zehn Metern, so dass jetzt tiefer gehende Bohrungen erforderlich sind.

Hintergrund: Die Historie des Freiheitsplatzes

Erläuterungen von Martin Hoppe
Fachbereich Stadtentwicklung/Stadtgeschichte, Stadtidentität

Ab 1767 ließ Wilhelm Graf von Hanau und zugleich Erbprinz von Hessen-Kassel, die Festungsanlagen zwischen Alt- und Neustadt Hanau niederlegen. Der Stadtgraben wurde zugeschüttet und planiert. Er wollte auf der entstehenden Fläche ein großes Fürstliches Forum für seine Residenzstadt errichten: mit Hauptwache, Arkaden, Triumphtor, Reithaus u.v.a.m.

Die Repräsentationsbauten wurden nicht umgesetzt, vielmehr baute Wilhelm ab 1777 die Kur- und Badeanlagen Wilhelmsbad. Auf der entstandenen, riesigen Innenstadtfläche ließ Wilhelm "nur" ein Stadttheater (heute Y-Hochhaus Bangertstraße), ein Zeughaus mit Wache (gegenüber DGB-Haus, es stand ursprünglich in Herrenhausen bei Babenhausen und wurde transloziert) und ein Kollegienbau (später Infanteriekaserne, heute Behördenhaus) errichten. Der Platz selbst wurde zweigeteilt: Die rechte Hälfte diente dem Militär als Übungsgelände "Parade", der westliche Teil wurde als "Esplanade" für Spaziergänge der Bürgerschaft mit Lindenbäumen gestaltet. Der Schlossgarten stand damals der Bevölkerung noch nicht offen.

Im Haus Nr. 861 der Neustadt, Freiheitsplatz 1, wurden 1785/86 die wohl bedeutendsten Söhne Hanaus geboren: die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm.

Um 1825 verband man beide Anlagen zu einem großen Paradeplatz. Die Bäume wurden gefällt, die Geländer abgebrochen. Deren Zierketten verwendete man beim Bau des "Kettenplatzes" vor Schloss Philippsruhe in Kesselstadt. Sie sind noch heute erhalten.

Der neue große Manöverplatz unterstrich die Funktion Hanaus als Garnisonsstadt. Nach der Ansiedlung mehrerer Truppenteile und Eisenbahnregimenter im Lamboygebiet wurden auf dem Platz große Paraden abgehalten. Es waren aber auch Messen oder Zirkusse, etwa die Show der Westernlegende Buffalo Bill auf Europatournee, zu Gast. In der Zeit des Nationalsozialismus, im Zuge des Weltkrieges und einsetzender Flächenbombardements der Alliierten wurden 1944 großflächige Splitterschutzgräben gebaut. Bei diesen Bodeneingriffen kamen Reste der Stadtbefestigung zum Vorschein.

In der Namensgebung des Platzes spiegelt sich der Zeitgeist wider: Von Parade und Esplanade zu "Platz der Republik" (ab 1918 nach der Revolution) und ab 1933 zur Zeit des Nationalsozialismus wieder "Paradeplatz". Seit 1946 gedenkt der Freiheitsplatz der wiedergewonnenen Demokratie. In der Namensbegründung nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die "politischen Ideale und Kampfziele der gebürtigen Hanauer" Oberbürgermeister Bernhard Eberhard, Jacob Grimm sowie der Turnerführer August Schärttner und Carl Röttelberg bemüht.

Der Platz dient seit 1959/60 als Busbahnhof bzw. Großparkplatz. Mehrere Wiederaufbaumodelle und Gestaltungspläne renommierter Architekten aus den Jahren bis zum Einstieg in den wettbewerblichen Dialog versuchten "diese Art unverdautes Platzgebilde" (Nestor der hessischen Denkmalpflege Architekt Wilhelm Schäfer 1949), das ohne Maßstabsgefühl und begrenzende Platzwände ist, den Verkehrsbedürfnissen geopfert wurde und keine Aufenthaltsqualitäten besitzt, einer nachhaltigen Gestaltung und Bebauung zuzuführen.


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Metzgerplan, 1735

Was könnte bei Ausgrabungen zu finden sein?

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ergab sich für die Grafen von Hanau die Notwendigkeit, die alte Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert (in Resten hinter Kino Schlüter, an der Alten Johanneskirche, Hof Große Dechaneigasse, Nordstraße erhalten) durch ein neues Befestigungssystem mit einem vorgelagerten Erdwall und vorspringenden Erdrondellen auf gemauerten Fundamenten zu ersetzen. Erforderlich wurde dies durch die Weiterentwicklung der Geschütze; auf den alten Mauern konnten keine Kanonen platziert werden. So entstand 1527 eine neue Festungsmauer unter Festungsbaumeister Graf Reinhard von Solms, deren Hauptteil 1531 vollendet war.

Infolge der Gründung der Hanauer Neustadt 1597 bebauten die niederländischen und wallonischen Glaubensflüchtlinge das Areal südlich der von der Kinzig gespeisten Gräben der Altstadt und umspannten Alt-Nordfront wie Neustadt mit einem weiteren Festungsgürtel.

Die Mauern zwischen Alt- und Neustadt wurden ab 1767 niedergelegt, die Gräben verfüllt. Die von historischen Vogelschauen (sog. "Metzgerplan", nach Kupferstecher Christoph Metzger, Ausgabe 1735) bekannten, nicht maßstäblichen Ansichten der Festungswerke aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts wurden anbei über die aktuelle Bebauung gelegt. Durch die in dieser Woche beginnenden Bohrungen und Baggerschürfe kann festgestellt werden, wo, wie tief und in welcher Breite Reste dieser Befestigungsanlagen noch vorhanden sind. Erst durch die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen lassen sich Annahmen verifizieren. Archäologische Untersuchungen werden seitens der Unteren Denkmalschutzbehörde Hanau, dem Landesamt für Denkmalpflege und einem Archäologenteam vor Ort betreut.