Öffentlicher Straßenraum
Nicht nur Plätze und Häuser, sondern auch die Straßen werden im Rahmen des Stadtumbaus lebens- und liebenswert umgestaltet. Beispiel Neustadt: Die Hanauer Neustadt ist eine Renaissance-Gründung mit „rechtwinkligen" Wegen und streng symmetrischem Aufbau. Dieser Einmaligkeit will man bei der Innenstadtumgestaltung durch einen speziell geplanten Straßenraum gerecht werden. Der Fachbegriff dafür: „Asymmetrische Zonierung des Straßenquerschnitts". Dahinter steckt jedoch ein uraltes Prinzip: die Einteilung einer Straße in Gehweg, Rinne und Fahrweg. Heutzutage nennt sich der Fahrweg als breitester Teil der Straße nun „Mobilitätsspur". Auf der einen Seite läuft der Gehweg, die andere Seite ist eine Multifunktionsspur mit Bäumen, Stellplätzen und Raum für Straßencafés oder Geschäftsauslagen. Die unterschiedlichen Nutzungen in der Neustadt verlangen eine Gliederung in Straßen mit viel Verkehr und Busverkehr, Straßen mit Quartiersverkehr und reine Fußgängerstraßen. In der Fußgängerzone ist die Mobilitätsspur Aufenthaltszone, gehört nicht den Autos, sondern den Menschen. Hier kann man in der Mitte der Straße die Stadt erleben. Die Gliederung wird unter anderem auch durch attraktive Beleuchtungskonzepte unterstrichen. Die Hammerstraße wird als sogenannte „Referenzstraße" die erste Straße sein, die umgestaltet wird; der Zeitplan für die Umgestaltung der anderen Straßen richtet sich maßgeblich auch nach dem ohnehin erforderlichen Sanierungsbedarf.
21.000 Quadratmeter mehr Lebensqualität
Landschaftsarchitekt Markus Gnüchtel hat die Brüder-Grimm-Stadt genau unter die Lupe genommen. „Hanau ist eine grüne Kommune, die wir jetzt noch grüner machen", sagt er. Der erfahrene Planer muss es wissen: Sein Unternehmen GTL, das mit dem Grünkonzept für Hanau beauftragt ist, hat erst eine Bestandsaufnahme durchgeführt und dann die „grüne Zukunft" für die Brüder-Grimm-Stadt geplant. Im Zuge des Innenstadtumbaus sollen, so verspricht er, „21.000 Quadratmeter mehr Lebensqualität" geschaffen werden - u. a. durch Baumreihen, Einzelbaumpflanzungen und neue Grünflächen. „Hauruck-Methoden" sind dem Kasseler Landschaftsarchitekten dabei fremd. „Ich möchte Hanau nicht neu erfinden, sondern das Vorhandene weiterführen", sagt er. Das heißt: Die Charakteristika der Neustadt und der Altstadt bleiben erhalten, sollen durch neues Grün sogar noch mehr herausgearbeitet werden. „Wir suchen die axialen Wege der Neustadt, um sie linear entlang der Straßenachsen zu bepflanzen. Und wir suchen die Winkel und Ecken der Altstadt, um sie durch punktuelle Bepflanzung mit einzelnen Bäumen noch malerischer zu machen", erklärt er. So sollen „freundliche Straßenräume" geschaffen werden.
Laut aktualisiertem Baumkataster der Stadt Hanau zählte Hanau im September des Vorjahres insgesamt 1.107 Bäume: 541 in der Innenstadt, 485 im Schlossgarten und 81 am Freiheitsplatz. „Das ist jede Menge. Das Stadtplanungsamt hat bisher in Sachen Grün gute Arbeit geleistet", lobt Markus Gnüchtel. Dennoch zeigte die Bestandsaufnahme Lücken auf, die jetzt geschlossen werden sollen. „Grüne Stadtquartiere" heißt die ins Auge gefasste Lösung. So wird der Platz um die wallonischniederländische Kirche vom Parkplatz zum Park umfunktioniert, denn „die erste Geige spielt der Mensch in der Stadt". Auch in der Lothringer Straße, in der Gärtnerstraße, im Bürgerpark, auf dem Ballplatz, im Postpark rund um den ehemaligen Schlachthof und im Kinoquartier sollen neue Grünflächen entstehen. Auf dem Freiheitsplatz werden 47 Bäume neu gesetzt. „Insgesamt 129 Neuanpflanzungen sind in Hanau vorgesehen", macht der Landschaftsarchitekt klar. Und er erklärt, dass Stellflächen und Verkehrsräume für den Menschen wieder zurückerobert werden sollen. „Wir schaffen Platz für Bäume und Menschen", so Markus Gnüchtel
129 Bäume werden Großes leisten
„Irgendwann muss jeder Baum verjüngt und ersetzt werden." Landschaftsarchitekt Markus Gnüchtel hatte es mehr als die Hälfte seines Lebens mit jungen und alten, mit kleinen und großen, mit kranken und gesunden Bäumen zu tun. Und so sieht er es ganz pragmatisch, dass im Zuge des Innenstadtumbaus auf dem Freiheitsplatz 81 Bäume weichen mussten und müssen. Stadtbäume haben seiner Aussage nach ein schwieriges Leben, weil ihnen nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung steht und sie nicht richtig atmen können. Das führt zu einer Lebenserwartung von 60 bis 80 Jahren. „Viele Bäume in Hanau wurden nach dem Krieg gepflanzt. Damit sind sie jetzt im Greisenalter", stellt Markus Gnüchtel fest. Dennoch haben sie seiner Aussage nach einen sehr großen ökologischen Wert, weil junge, kleine Bäume nur eine minimale Leistung als Luftfilter und Sauerstoffspender haben. „Wir haben nicht nur den Freiheitsplatz im Blick, sondern ganz Hanau", erklärt Gründezernent Axel Weiss-Thiel und erinnert an die 129 Bäume, die in der Stadt neu gepflanzt werden sollen.
Welche Baumarten das sein werden, ist eines von vielen Puzzleteilchen, die derzeit in einem Gestaltungsleitplan erarbeitet werden. Bevor der Baumbesatz jedoch final festgelegt wird, sind noch vertiefende Prüfungen vonnöten - schließlich sollen die Bäume robust sein, ins Stadtbild passen und sich gesund entwickeln können. „Wir müssen auf eine gestalterische Einheit von Bereichen und Straßenzügen achten", erklärt der Gründezernent Axel Weiss-Thiel, macht aber klar, dass es „sicher keine Platanen sind, die als Neupflanzungen in Betracht kommen". Auch von anderen großkronigen Bäumen wird man seiner Auskunft nach wohl absehen. Die Tendenz geht möglicherweise in Richtung Hainbuchen, „denn diese Baumart hat sich in der Langstraße bislang schon bewährt". Und auch laut aktualisiertem Baumkataster sind es hauptsächlich Hainbuchen, die bisher das Hanauer Stadtbild geprägt haben - dicht gefolgt von den Eschen als zweithäufigster Baumart.
Laut Axel Weiss-Thiel werden keineswegs ganz junge Bäume gesetzt, sondern zehn bis 15 Jahre alte Bäume, die ökologisch schon wertvolle Dienste leisten können. Er ist überzeugt: „Wir tun für die Zukunft etwas Gutes."
Neustadt-Straßen erhalten typisches Aussehen
Nicht nur Plätze und Häuser, sondern auch die Straßen werden im Rahmen des Stadtumbaus lebens- und liebenswert umgestaltet. Beispiel Neustadt: Die Hanauer Neustadt ist eine Renaissance- Gründung mit „rechtwinkligen" Wegen und streng symmetrischem Aufbau. „Wir werden dieser Einmaligkeit bei der Innenstadtumgestaltung durch einen speziell geplanten Straßenraum gerecht", so Markus Gnüchtel vom Büro GTL Landschaftsarchitekten. Der Fachbegriff dafür: „Asymmetrische Zonierung des Straßenquerschnitts". Dahinter steckt jedoch ein uraltes Prinzip: die Einteilung einer Straße in Gehweg, Rinne und Fahrweg. Heutzutage nennt sich der Fahrweg als breitester Teil der Straße nun „Mobilitätsspur". Auf der einen Seite läuft der Gehweg, die andere Seite ist eine Multifunktionsspur mit Bäumen, Stellplätzen und Raum für Straßencafés oder Geschäftsauslagen. Die unterschiedlichen Nutzungen in der Neustadt verlangen eine Gliederung in Straßen mit viel Verkehr und Busverkehr, Straßen mit Quartiersverkehr und reine Fußgängerstraßen. In der Fußgängerzone ist die Mobilitätsspur Aufenthaltszone, gehört nicht den Autos, sondern den Menschen. Hier kann man in der Mitte der Straße die Stadt erleben. Die Gliederung wird unter anderem auch durch attraktive Beleuchtungskonzepte unterstrichen. Die Hammerstraße wird als sogenannte „Referenzstraße" die erste Straße sein, die umgestaltet wird. Der Zeitplan für die Umgestaltung der anderen Straßen richtet sich maßgeblich auch nach dem ohnehin erforderlichen Sanierungsbedarf.

