Marktplatz Historie

Neustädter Rathaus

Neustaedter-Rathaus-mit-Brueder-Grimm-Denkmal-Quelle-hanauIm Zentrum der heutigen Innenstadt liegt der Marktplatz mit Neustädter Rathaus und Nationaldenkmal der Brüder Grimm. Das barocke Gebäude mit seinem markanten Mansardendach wurde 1723-33 von Christian Ludwig Hermann erbaut. Mehr als hundert Jahre nach der Neustadtgründung und mehrerer provisorischer Lösungen (die Ratsherren tagten in Privathäusern) kam es am 11. Juni 1725 im Beisein von Graf Johann Reinhard III. von Hanau-Lichtenberg zur Grundsteinlegung.

Das Selbstbewusstsein der Neustadtgründer spiegelt sich in dem stattlichen Bau. Die Fassade ist in rotem Sandstein ausgeführt. Am gusseisernen Balkongitter ist das Wappen der Neustadt mit der Stadtpatronin Hanovia samt Jahreszahl 1733 zu sehen, das Datum der Fertigstellung des Gebäudes. Der Frontgiebel zeigt das Doppelwappen des Grafen Johann Reinhard III. und seiner Frau Friederike von Brandenburg-Ansbach. Rechts und links wird es von zwei allegorischen Frauenfiguren als Symbol für Gerechtigkeit und Frieden flankiert. Zur Linken ist die Gerechtigkeit mit Waage, Zepter und Adler mit Schwert zu Füßen sichtbar. Zur Rechten erscheint der Frieden mit goldener Fackel, Buch und Kranich, der die Wachsamkeit symbolisiert. Gerechtigkeit und Frieden waren den Neustadtbewohnern, Nachkommen wallonischer und niederländischer Glaubensflüchtlinge, ein besonders hohes Gut, haben sie doch in Hanau eine neue Heimat gefunden.

Zum guten Ton Hanaus gehört seit mehr als zwanzig Jahren das tägliche Glockenspiel aus dem Uhrtürmchen des Neustädter Rathauses. Das Spiel kann bis in das Jahr 1751 zurückverfolgt werden. Am 1. Oktober 1754 wurde ein Vertrag mit Jacob Michael aus Darmstadt über die Lieferung eines Glockenspiels mit 18 Glocken abgeschlossen. 1755 wurde der Uhrturm von Conrad Fery errichtet, in dem anschließend das Glockenspiel eingebaut wurde. Die Krönung des Uhrtürmchens stellt einen aufrechtstehenden Schwan, das Hanauer Wappentier, dar.

Nach der Zerstörung des Neustädter Rathauses im Bombenkrieg am 19. März 1945, wurde das Gebäude erst 1964 wieder hergestellt. Bis dahin tagte die Hanauer Stadtverordnetenversammlung im Schloss Philippsruhe.
Das Foyer des Neustädter Rathauses wird heute regelmäßig für Wechselausstellungen genutzt.

Quelle: www.hanau.de

Brüder Grimm-Nationaldenkmal


denkmalEin langer Weg, bis 1896 die Brüder Grimm in Bronze gegossen wurden. Noch zu Lebzeiten der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, im Jahre 1853, spendete der angesehene Hanauer Bürger und Mäzen Pedro Jung 500 Gulden für ein zu errichtendes Denkmal. Sich anschließende Spendensammlungen und Aufrufe blieben aber weitgehend erfolglos. Am 21. Januar 1884 gründete sich ein sog. Denkmalskomitee und bekräftigte das Vorrecht der Stadt Hanau, Standort für ein Nationaldenkmal der Brüder Grimm gegenüber Kassel, Göttingen oder Berlin zu sein. 1888 wurden elf namhafte Bildhauer aufgefordert, einen entsprechenden Entwurf einzureichen; alle Modelle wurden im Januar 1889 in der Königlichen Zeichenakademie Hanau öffentlich ausgestellt. Die Bevölkerung zeigte starkes Interesse an den Entwürfen. Ein Preisgericht ermittelte die ersten drei Preisträger: Auf Platz 1 gelangte der Entwurf von Max Wiese, Bildhauer und Direktor der Zeichenakademie, der 2. Preis ging an Gustav Eberlein, Professor, Bildhauer und Maler aus Hannoversch-Münden. Den 3. Preis errang Syrius Eberle, Professor und Bildhauer aus München.
Doch schon bald regten sich Unmut und Gegenstimmen. Es kam zum Streit über den erstplatzierten Entwurf von Bildhauer Wiese. Man entschloss sich, den Sohn Wilhelm Grimms, Herman Grimm, Kunst- und Literaturhistoriker in Berlin, um seine Meinung zu fragen. Dieser begutachtete die Modelle und entschied sich für den Entwurf von Syrius Eberle. So wurde der Auftrag zur Ausführung des Denkmals an Eberle erteilt. Das Denkmal sollte auf dem Neustädter Marktplatz errichtet werden, die Figuren eine Höhe von ca. drei Metern messen und ein neuer Sockel gebaut werden. Das preußische Ministerium zog daraufhin entrüstet seine Finanzzusage zurück. So kam der Künstler in Verzug. Die Anfertigung eines Hilfsmodells in Originalgröße verzögerte sich bis 1894. Bis auf kleine Änderungen waren die Hanauer vom Entwurf angetan, jedoch nicht der Künstler; denn er vernichtete das Hilfsmodell und konnte erst ein Jahr später ein neues präsentieren. In der Eile musste das Denkmal in Teilen zwei Gießereien in Bronze gegossen werden. Am 18. Oktober 1896 fand schließlich die feierliche Denkmalsenthüllung unter großer Anteilsnahme der Bevölkerung statt.

Aus dem Verkauf des originalgroßen Gussmodells aus Gips nach Kassel wurde das schmiedeeiserne Ziergitter bezahlt. Die drei preisgekrönten Modelle des Nationaldenkmals der Brüder Grimm befinden sich heute im Eigentum des Hanauer Geschichtsvereins 1844 e. V. und können neben anderen Grimmensien im Historischen Museum Hanau Schloss Philippsruhe bestaunt werden.

Das Nationaldenkmal bildet heute den Ausgangspunkt der Deutschen Märchenstraße von Hanau nach Bremen. Die Vorliebe Japans für die Brüder Grimm und ihre Märchensammlung führte 1989 zum Abguss des Denkmals samt Nachbau des Neustädter Rathauses im Maßstab 1:1 für das "Glücks-Königreich" Kofuko, einem Freizeitpark in Obihiro auf der Insel Hokkaido / Japan.
Quelle: www.hanau.de