Freiheitsplatz Historie

Freiheitsplatz_Historie_thJede Menge Mut haben die Stadtmütter und -väter bewiesen, als sie 2008 den Wettbewerblichen Dialog und den Innenstadtumbau in Gang setzten. Damit führten sie eine lange Tradition fort. Denn in Hanau wurden schon immer mutige Entscheidungen getroffen, um wichtige und nachhaltige Veränderungen für die Gemeinschaft herbeizuführen.
Bereits im 19. Jahrhundert gab es Umbaupläne für den Freiheitsplatz. „Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel hatte auf dem Freiheitsplatz ein fürstliches Forum vorgesehen", erklärt der Stadthistoriker Prof. Dr. Bott. Vorbilder seien Städte wie Kopenhagen oder Nancy gewesen. Mehr noch aber habe Wilhelm bei seinen Überlegungen auf die moderne Umgestaltung seiner Geburtsstadt Kassel geschaut, wo sein Vater begonnen hatte, eine Esplanada - den späteren Friedrichsplatz - und einen Paradeplatz anzulegen. Prof. Dr. Bott bedauert, dass heute der Sinn für neu gestaltete Plätze verloren gegangen sei. „Sie laden nun nicht mehr zum Verweilen ein und sind nur noch Verkehrsmittelpunkte", findet er. Seiner Meinung nach brauchen Plätze mehr Ruhezonen.
„Die Geschichte zeigt: Es bedarf manchmal auch umstrittener Entscheidungen, um vorwärts zu gehen", so Martin Hoppe, der Vorsitzende des Hanauer Geschichtsvereins. Er weiß, dass sich die Hanauerinnen und Hanauer im Lauf der Jahrhunderte schon vieler Aufgaben erfolgreich angenommen haben - auch wenn sie so manchem städtebaulichen Vorhaben anfangs äußerst skeptisch gegenüberstanden. Das liegt aber, so meint er, im Charakter der „Mainfranzosen" begründet: „Die Hanauer sind wach und rege, mit einer gesunden Skepsis ausgestattet. Sie sind Neuem gegenüber sehr abwägend."
1597 zum Beispiel regte sich erheblicher Widerstand, als Graf Philipp Ludwig II. die wallonischen und niederländischen Glaubensflüchtlinge per Ansiedlungsvertrag zur Gründung der Hanauer Neustadt bewog. Der Rat der Altstadt erklärte, dass „unsere Bauern dann nicht mehr mit ihrem Vieh wie bisher zu ihren Äckern kommen" und baten „aus höchster Notdurft, die Landstraße nicht zu verbauen". Rund 300 Jahre später nahm Oberbürgermeister Dr. Kurt Blaum nach 20-jähriger Diskussion den Bau des Hanauer Hafens in Angriff. Er wurde 1924 eröffnet und ist heute einer der wichtigsten Umschlagplätze am Main. 1966 wurde der Marktplatz unterkellert, die Tiefgarage entstand - gegen den Willen des „Vereins Hanauer Bürger". Heutzutage nutzt jeder ganz selbstverständlich die Tiefgarage zu Füßen des Brüder-Grimm-Denkmals. Im Jahr 1972 wurde die erste innerstädtische Fußgängerzone Hammerstraße eingerichtet. Die Hanauer Einzelhändler waren mit dieser Entscheidung gar nicht einverstanden. Sie protestierten wegen wegfallender Parkplätze. 1988 schuf man die Fußgängerzone Rosenstraße, nachdem die probeweise Einrichtung im Jahr 1974 noch gescheitert war - als Gegenargument dienten auch damals entfallende Parkplätze. Heute ist die Rosenstraße eine der beliebtesten Fußgängerzonen Hanaus. Zur Gebietsreform 1974 hagelte es zum Beispiel in Steinheim Bürgerproteste. Niemand wird heute ernsthaft die Eingemeindung rückgängig machen wollen, ebenso wenig wie den seinerzeit heftig umstrittenen Bau der A 66. „Jede Generation hat ihre Aufgabe", meint Martin Hoppe, und zitiert Theodor Fontane: „Am Mute hängt der Erfolg."

Eislaufen_Quelle-hanauDer Freiheitsplatz bewegt seit Generationen die Menschen in und außerhalb der Brüder-Grimm-Stadt Hanau. Als Erbprinz Wilhelm Ende des 18. Jahrhunderts die überflüssig gewordenen Festungsbauwerke zwischen Alt- und Neustadtschleifen ließ, wollte er ein "fürstliches Forum" entstehen lassen. Aus den großen Plänen wurde nichts; nur Stadttheater, Infanteriekaserne und Zeughaus wurden gebaut. 1825 sind "Parade" und "Esplanade" zu einem großen Platz vereinigt worden. Nach der Zerstörung der Innenstadt Hanaus am 19. März 1945 mutierte die Fläche zu einem großen Parkplatz und Busbahnhof.
Seitdem trennt der Freiheitsplatz Alt- und Neustadt voneinander.
Unzählige Planungen und Wettbewerbe für eine Neugestaltung wurden durchgeführt und wieder verworfen. Der Nestor der hessischen Denkmalpflege Wilhelm Schäfer beschrieb die Fläche einmal als "unverdautes Platzgebilde"."Mit dem neuen Instrument des europäischen Ausschreibungsverfahrens Wettbewerblicher Dialog haben wir nun endlich das Zeitalter der Diskussionen hinter uns gelassen und nehmen die nachhaltige Neugestaltung des Areals als innerstädtische Drehscheibe mit Einkaufen, Kultur, Öffentlichem Personennahverkehr und Freiraum aktiv in Angriff", so Oberbürgermeister Kaminsky.
Einen eindrucksvollen Blick zurück bietet die nun vorliegende historische Studie von Markus Häfner M.A. "Zur Problematik der Gestaltung des Freiheitsplatzes". In der Chronik führt freiheitsplatz-1959_Quelle-hanauder Autor die abwechslungsreiche Geschichte des Platzes plastisch, kenntnisreich und informativ vor Augen. Viele Bilder machen die Ausführungen sehr anschaulich.
Markus Häfner studierte Mittlere und Neuere Geschichte und Politologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und veröffentlichte 2009 seine bemerkenswerte Magisterarbeit "Der Wiederaufbau der deutschen Mittelstädte nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel der Stadt Hanau" im Neuen Magazin für Hanauische Geschichte des Hanauer Geschichtsvereins 1844 e.V. Dieses Thema ist auch Inhalt seiner Dissertation. Außerdem kuratierte er die Jubiläumsausstellung "950 Jahre Kesselstadt" im Historischen Museum Schloss Philippsruhe mit.

Quelle: www.hanau.de