Freiheitsplatz
Er ist der größte Platz der Stadt, er liegt zentral, genau in der Mitte der fünf aneinander gereihten Plätze der Innenstadt - doch die Hanauer haben außer Parkplätzen nur wenig von ihm. Auf lediglich zwölf Prozent seiner Fläche kann man sich aufhalten, ohne sich zwischen Autos zu befinden. Der Freiheitsplatz bietet aus städtebaulicher Sicht enormes Entwicklungspotenzial - und das wird mit den Planungen des Wettbewerblichen Dialogs voll ausgeschöpft.
Das Bebauungsplanverfahren ist in vollem Gange; verläuft es planmäßig, könnten Ende des Jahres bereits die erforderlichen Baugenehmigungen erteilt werden. Prägnanter Neubau wird das Literaturquartier im westlichen Teil. Hier vereinen sich Einkaufs- und Kulturerlebnis: Zum einen entsteht ein großes Einkaufszentrum, zum anderen konzentrieren sich hier mit der Stadtbibliothek, dem Stadtarchiv, dem Medienzentrum, dem Hanauer Geschichtsverein und der Wetterauischen Gesellschaft fünf wichtige kulturelle Einrichtungen. Mit der Einbindung gewinnt der Einzelhandel am Freiheitsplatz zusätzlich an Bedeutung. Der Busbahnhof wird auf 3.800 Quadratmetern und mit 17 Haltebuchten in komprimierter Form mit einer verbesserten Infrastruktur an der Nordost-Ecke angesiedelt. Zudem saniert und modernisiert das Land Hessen das denkmalgeschützte Gebäude des Finanzamtes. Läden und Gastronomie werden den Platz zu einem Ort machen, den man gern ansteuert und an dem man gern verweilt. Auch die Straßen und Gassen nach Norden hin zum Altstädter Markt, zum Dietrich-Bonhoeffer-Platz und zum Marienkirchplatz werden aufgewertet. Kurz: Der Freiheitsplatz ist in Zukunft das zentrale Scharnier, das Alt- und Neustadt miteinander verbindet.
Die freie Internet-Enzyklopädie Wikipedia macht es ganz deutlich: Ein Platz ist nicht nur eine von Gebäuden umbaute, freie Fläche in Städten, sondern auch „ein Brennpunkt des öffentlichen Lebens in der Stadt". Das Internet-Lexikon bezeichnet Plätze als die „gute Stube" der Stadt. Und genau an dieser Eigenschaft mangelt es dem Freiheitsplatz: Er ist nicht „öffentlich erlebbar". Derzeit ist der größte Platz in der Stadt ein Platz für Autos, Busse und Taxen - aber kein Platz für Menschen. „Schon in der Antike waren Plätze zentrale Orte, an denen man sich versammelte, miteinander sprach und handelte", weiß Hans-Ulrich Weicker, Leiter des Hanauer Stadtplanungsamtes. Der Freiheitsplatz sei „derzeit kein erlebbarer, urbaner Stadtraum".
Deshalb hat es sich die Stadt zur Hauptaufgabe gemacht, diesen Ort zu beleben. Nun wird der Freiheitsplatz auf der Westseite bebaut. Einzelhandel, Kultur und Gastronomie werden dort Einzug halten. Durch die neue bauliche Fassung entsteht auf der Ostseite erstmals ein Platz in der Größe des Neustädter Marktes.
„Schöner und lebendiger" lautet das Motto für den Freiheitsplatz, der nach Aussage von Weicker aufgewertet wird - zu einem Ort für Veranstaltungen, zu einem Platz zum Bummeln, zu einem Bereich, in dem man sich gerne aufhält. Die Autos werden dort trotzdem nicht komplett verbannt; sie verschwinden künftig jedoch in einer Tiefgarage aus dem Blickfeld. Der Leiter des Stadtplanungsamtes zieht einen Vergleich zum Neustädter Markt, Heimat von Hessens größtem und schönstem Wochenmarkt. Dort sind die fahrbaren Untersätze in der Tiefgarage geparkt und machen es so jederzeit möglich, den Platz oberirdisch für Veranstaltungen aller Art zu nutzen. „Plätze mitten in der Stadt sind zu wertvoll, um sie als Parkplatzflächen zu verschwenden", gibt Hans-Ulrich Weicker den Tenor der Stadtverordneten wieder. Deshalb entsteht in Hanau schon bald ein „richtiger" Freiheitsplatz - ganz im Sinne von Wikipedia.
Trockenen Hauptes in den Bus
Die Stadt lässt ihre Fahrgäste nicht im Regen stehen. Im neuen Busbahnhof, der in komprimierter und optimierter Form an alter Stelle im nordöstlichen Bereich des Freiheitsplatzes entstehen soll, werden künftig alle Bussteige überdacht sein. Außerdem werden moderne Anzeigesysteme installiert, die den Fahrgästen die Abfahrtszeiten der Busse und eventuell sogar deren Verspätungen anzeigen. Die Umsteigewege werden kürzer, der Busbahnhof wird behindertengerecht ausgestattet, die Bordsteinkanten werden angehoben. Jetzt sind die Bordsteine an vielen Stellen nur fünf bis sechs Zentimeter hoch, in Zukunft dann 16 bis 18 Zentimeter. Dadurch können die Busse fast ebenerdig betreten werden - ein wichtiger Aspekt für Rollstuhlfahrer, ältere Menschen mit Gehbehinderung sowie Mütter mit Kinderwagen.
Fahrplanauskünfte und mehr
Wie komme ich am besten nach Frankfurt und danach weiter nach München? Eine Frage, die von kompetenten Mitarbeitern im geplanten Literaturquartier schon bald schnell beantwortet werden kann, denn das neue Einkaufszentrum auf dem Freiheitsplatz wird künftig auch eine RMV-Mobilitätszentrale beherbergen. Diese Einrichtung ist in vielen anderen Städten des Rhein-Main-Gebiets schon Realität. „Das HSB-Kundenzentrum am Freiheitsplatz, das nur lokale Fahrplanauskünfte geben kann, wird somit ersetzt", erklärt Stadtrat Axel Weiss-Thiel. Im neuen Einkaufszentrum steht den Bürgern ein erweiterter Service zur Verfügung. Fahrgäste können in der RMV-Mobilitätszentrale Tickets kaufen und Fahrplanauskünfte einholen, können sich über Wegstrecken und Tarife in Hanau, im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus kundig machen. Auch Informationen über weitere Angebote, wie z. B. Park & Ride oder Bike & Ride, sind dort zu haben. Sogar Freizeitangebote in der Region können erfragt werden.
Da muss viel eingepackt werden: 11.000 „greifbare" Medien wie DVDs, CD-ROMs, Videokassetten und Overheadfolien sowie rund 7.000 digitale Onlinemedien und 133 technische Geräte (Beamer, Kameras, Notebooks usw.) ziehen in das neue Literaturquartier. Auch das angegliederte Bildarchiv, mit mehr als 350.000 Bildern das größte kommunale Bildarchiv Hessens, ist ab 2014 dort beheimatet. Es ist damit ein wichtiger Baustein des zentralisierten Kultur- und Bildungsangebots am Freiheitsplatz. Die Vorteile des Umzugs liegen auf der Hand: neue, größere Räume mit mehr Platz zum Arbeiten, bessere Erreichbarkeit und kurze Wege zu den Wissensquellen Stadtbibliothek, Stadtarchiv, Wetterauische Gesellschaft und Hanauer Geschichtsverein.
Die Wetterauische Gesellschaft zieht ins Literaturquartier - und bietet mit längeren Öffnungszeiten mehr Möglichkeiten, ihre umfangreiche naturkundliche Bibliothek zu nutzen. Als „Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, gegr. 1808, e.V." sammeln die Mitglieder seit mehr als 200 Jahren Bücher und Zeitschriften aus nahezu allen naturwissenschaftlichen Disziplinen. Im Gegensatz zur ursprünglich ebenfalls angelegten Schausammlung hat die wertvolle Bibliothek den 2. Weltkrieg überstanden.
Der Bestand wird bis heute laufend ergänzt und umfasst stattliche 27.000 Exemplare. Die ältesten von ihnen stammen aus dem 15. Jahrhundert, als der Buchdruck gerade erfunden wurde. Im Zuge des Stadtumbaus zieht die Wetterauische Gesellschaft um: aus dem alten Kanzleigebäude am Schlossplatz in das Literaturquartier am Freiheitsplatz. Der größte Vorteil des Umzugs: Die Gesellschaft kann den Lesesaal der Stadtbibliothek nutzen. In zentraler Stadtlage können dann alle Interessierten während der Bibliotheksöffnungszeiten die Schätze einsehen. Ein weiterer Pluspunkt des Umzugs: Es wird genügend Raum geben für naturkundliche Arbeitsgemeinschaften sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen.
Alte Urkunden, Dokumente, Rechnungs- oder Amtsbücher, Bilder oder Chroniken - wer sich für die Hanauer Stadtgeschichte interessiert, dem wird die Recherche ab 2014 erheblich erleichtert. Im neuen „Portal Stadtgeschichte" im Literaturquartier sind dann alle relevanten Einrichtungen unter einem Dach vereint: das Stadtarchiv, das Bildarchiv, die Landeskundliche Abteilung Hanau-Hessen der Stadtbibliothek sowie der Hanauer Geschichtsverein. Schon für das Stadtarchiv bietet der Umzug große Vorteile: Sind bisher drei Viertel des Bestandes in quer durch die Stadt verteilten Außenstellen ausgelagert und damit nur umständlich nutzbar, wird am neuen Standort das gesamte Archiv zusammengeführt. Bessere Arbeitsbedingungen als bisher gestatten bequeme, umfangreiche Recherchen; es eröffnen sich neue Möglichkeiten, intensiver z. B. mit Schülergruppen zu arbeiten.
Keine Frage: Der Freiheitsplatz wird das neue Herz der Stadt. Hier verbinden sich an zentraler Stelle Einkaufsmöglichkeiten und Kulturangebote, hier verbinden sich über eine neue Wegeführung Alt- und Neustadt.
Der neue Freiheitsplatz profitiert dabei in erheblichem Maße von der Tatsache, dass nun auch die leerstehende Karstadt-Immobilie und das ehemalige Sporthaus Barthel in die Gesamtplanung einbezogen werden können: Der Investor HBB hat die Immobilie erworben.
„Die zeitgleiche Entwicklung und Bebauung des Areals bedeutet einen enormen Zugewinn für den Platz", stellt Oberbürgermeister Claus Kaminsky fest. Die Karstadt-Barthel-Immobilie ergänzt die bestehenden Planungen aus dem Wettbewerblichen Dialog auf ideale Weise. Hier entsteht die für den Handel so wichtige Frequenz.
„Indem mit HBB derselbe Investor das Areal entwickelt, der auch das Literaturquartier baut, erhalten wir für die Gesamtlösung der Platzgestaltung ein stimmiges Ergebnis aus einer Hand." Der OB lobt zudem den Investor für sein Verantwortungsgefühl gegenüber der Stadt. Die Lösung hat weitere Vorteile, wie Martin Bieberle, Leiter Fachbereich Stadtentwicklung und Bürgerservice, aufzeigt: „Die vorgesehene Tiefgarage wird nun nicht an der Ostseite des Platzes entstehen, sondern auf zwei Etagen unter den neuen Gebäuden. So eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten für Verkehrs- und Zufahrtswege. Zudem können zahlreiche Schnurbäume erhalten bleiben, die sonst hätten gefällt und durch andere, flach wurzelnde, Bäume ersetzt werden müssen."
Auf dem Gelände des ehemaligen Karstadt-Barthel-Gebäudes entsteht weitere Einzelhandelsfläche, sodass die Hanauer und Besucher der Stadt sowohl dort als auch im neuen Literaturquartier am Freiheitsplatz in Einkaufswelten flanieren können. Das Besondere am Konzept des neuen Literaturquartiers: Neben vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten finden sich hier auch fünf wichtige Kultur- und Bildungsangebote der Stadt zentral gelegen unter einem Dach - ein weiterer Impuls für die notwendige Entwicklung am Freiheitsplatz.
Der heutige Freiheitsplatz hat insbesondere als Parkplatz stark trennende Wirkung zwischen Alt- und Neustadt. Obwohl dies historische Wurzeln hat - der Freiheitsplatz befindet sich im Bereich der südlichen Festungsanlage der Hanauer Altstadt - ist es unser Ziel, die Trennung der beiden Stadtteile zu überwinden. Über das von uns konzipierte Literaturquartier auf dem westlichen Teil des Freiheitsplatzes gelingt es uns, sowohl die Altstadt, wie auch die Einkaufsstraßen Hanaus an einem Punkt zu bündeln und attraktiv miteinander zu verknüpfen. Uns ist bewusst, dass die vorgeschlagene Bebauung des westlichen Freiheitsplatzes einen sehr bedeutenden Eingriff in den Hanauer Stadtgrundriss bedeutet. Umso mehr wollen wir mit den das Projekt durchquerenden Gassen die wichtige Verbindungsfunktion des neu entstehenden Literaturquartiers herausarbeiten.
Architektur
Die architektonische Ausprägung folgt der Grundidee, mehrere statt nur einen Baukörper auszubilden. Jeder Einzelkörper erhält seine eigene individuelle Architektur, die in engem Zusammenhang mit den sich darin befindenden Nutzungen steht. Alle Elemente werden in der Quartiersmitte durch ein leichtes Glasdach verbunden, ohne den straßenartigen Charakter der das Quartier durchziehenden Wege zu beeinträchtigen. Der Quartiersgedanke bietet die Chance, benachbarte Areale in das Gesamtkonzept zu einzubinden, ohne die Maßstäblichkeit der Hanauer Innenstadt zu verlassen.
Nutzungskonzept
Das Nutzungskonzept hat einen integrativen Ansatz, d.h. die Zielstellung lautet, die bestehenden Strukturen der Hanauer Innenstadt so zu ergänzen, dass die Innenstadt als Gesamtheit nach außen hin eine möglichst hohe regionale Ausstrahlung entfaltet.
Die Belegung der entstehenden Ladenflächen orientiert sich an in Hanau noch nicht vorhandenen Angeboten.
Bibliothek
Die neue Stadtbibliothek wird im 2.Obergeschoss des Literaturquartiers untergebracht.Ein großzügiges Foyer im Erdgeschoss schafft die selbstbewusste Anbindung an den belebten Einzelhandel im Erdgeschoss.
Über eine großzügige Treppe sowie mehrere Aufzüge wird der Besucher vom Antritt im Erdgeschoss auf die eigentliche Bibliotheksebene im 2. Obergeschoss gezogen. Die zentrale Position des Ankunftsbereichs im 2. Obergeschoss ermöglicht eine optimale Vernetzung der weiteren städtischen Nutzungen auf dieser Ebene: Stadtarchiv, das Medienzentrum und der Schriftentausch sowie die Wetterauische Gesellschaft.
Eine Neuordnung des Busbahnhofes führt zu einem wesentlich geringeren Flächenbedarf ohne Einschränkung der Funktionalität. Hierdurch stehen weite Bereiche des Freiheitsplatzes in einer mit dem Neustädter Markt vergleichbaren Größenordnung für städtische Nutungen zur Verfügung. Insbesonder der Wunsch eines gleichzeitigen Markt- und Weihnachtsmarktbetriebs kann erfüllt werden.
Durch die Kombination von neu hinzugewonnenem Platzbereich und zentralem Busbahnhof entsteht an diesem Ort ein Platz mit allerhöchster Anziehungskraft und Verteilerfunktion.
Ruhender Verkehr
Durch die Einbindung des Projektes in das vorhandene Hanauer Stellplatzsystem und das Parkhaus- Leitsystem gelingt es, die Anzahl neu zu errichtender Stellplätze auf 500zu reduzieren und das Vorhaben somit noch mehr in das städtische Gefüge zu integrieren.

