„Lieber in Hanau als anderswo“
Ausschusssitzung zum lokalen Einzelhandelskonzept
Hanau, 3. Februar 2011 - "Hanau hat den Anspruch als regionales Oberzentrum ein überörtlicher Versorger zu werden und Kaufkraft aus dem Umland zu binden." Dies betonte Oberbürgermeister Claus Kaminsky in der Sitzung des Struktur- und Umweltausschusses zum Thema 'Einzelhandelskonzept'. "Unserer Stadt ist keine Insel und wir müssen die regionale Wettbewerbssituation mit einbeziehen. Was nützt es wenn die Leute ins Kino nach Nidderau, zum Fachmarktzentrum nach Gründau-Lieblos, zum Lebensmittelkauf zum Real nach Maintal und zum Kleiderkauf nach Aschaffenburg fahren. Es ist doch viel sinnvoller diese Angebote hier vor Ort zu haben und die Kaufkraft in der Stadt zu halten. Mein Motto ist: 'Lieber in Hanau als anderswo!'", so der OB.
Im 'Masterplan Einzelhandel in Hanau', den Sebastian Mahrenholz, ein Gutachter des Münchner Büros Cima, dem Ausschuss vorstellte, werden zwei klare Prioritäten gesetzt: Zum einen steht die Nahversorgung der Bürger am Wohnort im Vordergrund des Konzepts, zum anderen empfiehlt das Gutachten Märkte und Zentren in den Stadtteilen nicht mit dem Angebot der Innenstadt in Konkurrenz zu stellen, sondern dieses ergänzen. "Wir wollen und müssen die Innenstadt attraktiver gestalten um mehr Kunden zu binden", kommentierte der OB. "Mehr Geschäfte, bedeuten mehr Auswahl und bringen mehr Kunden ins Zentrum. Nicht die Ansiedlung weiterer Einzelhändler sondern Leerstand und Ein-Euro-Läden, sind tödlich für die Innenstadt." Die richtige Reaktion auf Wettbewerb in der Innenstadt sei daher eine professionellere Aufstellung. Es sei wichtig, die Dynamik des Marktes zu nutzen und sich nicht dagegen zu stemmen, betonte Kaminsky.
Der Oberbürgermeister bekräftigte zudem sein Zutrauen in die soziale Marktwirtschaft: "Bestandsschutz ist kein Selbstzweck. Die Innenstadt wird nicht durch Schutz gestärkt, sondern durch höhere Attraktivität." Das erreiche man unter anderem durch neue Straßenraum-, Beleuchtungs- und Grünkonzepte sowie Angebote im Gastronomie und Kulturbereich sie im Rahmen des Wettbewerblichen Dialogs vorgesehen seien. "Aber nach wie vor ist der Einzelhandel der wichtigste Attraktivitätsfaktor einer Innenstadt." Auch die Behebung von städtebaulichen Missständen, wie Brachen, sei manchmal nur mit Hilfe von Handel möglich fuhr Kaminsky fort. "Die Entwicklung des ehemaligen Schlachthofareals oder des ehemaligen "Bepo-Geländes" im Lamboy wäre ohne Einzelhandel nicht möglich gewesen".
Wirtschafts- und Baudezernent Dr. Ralf-Rainer Piesold äußerte sich im Rahmen der Ausschusssitzung ausführlich zum ehemaligen Möbel-Erbe-Gelände im Stadtteil Steinheim. "Wir haben in den letzten anderthalb Jahren verschiedene Nutzungskonzepte geprüft. Aus heutiger Sicht hat der Standort Erbe nur eine Entwicklungschance als Einzelhandelsstandort, eine Gewerbeansiedlung ist absehbar nicht realistisch." Das sei Ergebnis der langen ausführlichen Gespräche mit dem derzeitigen Immobilienbesitzer Krieger. "Wir arbeiten derzeit konstruktiv an einer Konzeption für das Gelände, die wir der Stadtverordnetenversammlung in der nächsten Legislaturperiode vorlegen wollen." Man können sich dort beispielsweise Discount-orientierten Einzelhandel auf kleineren Flächen vorstellen, der die Innenstadt mit ihrem hochwertigeren Angebot nicht beeinträchtige fuhr Piesold fort. "Ein KIK-Laden an dieser Stelle ist beispielsweise keine Konkurrenz für das gewünschte Angebot in der Innenstadt." Das Konzept für das Möbel-Erbe-Areal solle eine logische Abrundung des Einzelhandelskonzepts in Hanau darstellen und keine Käufer aus der Innenstadt abziehen, sondern eher Kaufkraftzufluss begünstigen.
Im Hinblick auf die Entwicklungen in der Hanauer Innenstadt in den letzten Jahren, betonte der Stadtrat, dass es keine gesetzliche Handhabe gebe, die Ansiedlung von Ein-Euro- oder Handyläden zu verbieten. "Diese Läden zahlen meist sehr hohe Mieten. Wir können dem Vermieter nicht vorschreiben, an wen er zu vermieten hat. Wir können lediglich versuchen auf die Besitzer der Immobilien mit vernünftigen Argumenten einzuwirken." Dies sei unter anderem Aufgabe der Hanau Marketing GmbH unter Führung von Martin Bieberle, die auf diesem Gebiet sehr aktiv sei. "Die Hanau Marketing betreibt konstantes Networking und ist im ständigen Gespräch mit Vermietern und Interessenten mit dem Ziel gute Handelslagen in Hanau zu schaffen." Letztendlich sei es langfristig im Interesse der Vermieter eine Immobilie in einer blühenden Handelslage zu besitzen, auch wenn sie dafür kurzfristig auf eine hohe Rendite verzichten müssten, um qualitativ hochwertigen Einzelhandel in der Immobilie anzusiedeln. "Doch das ist mühselige Überzeugungsarbeit. Nichtsdestotrotz tut die Stadt ihr Bestes, um Vermieter zu überzeugen, dass Qualität vor Quantität geht und neue Anbieter vom Standort Hanau zu begeistern." Piesold verwies hier auch auf den aktuellen Ansiedlungserfolg, einen Gerry Weber Laden, der noch in diesem Jahr an der Nürnbergerstraße eröffnen wird.

