„Es ist alles in Sack und Tüten“
HBB erwirbt Karstadt- und Barthel-Immobilien
Hanau, 24. Januar 2011 - "Dass jetzt auch unser größtes Sorgenkind am Freiheitsplatz, nämlich die gesamte Westseite, von dem gleichen Investor entwickelt wird wie der gesamte Rest des Freiheitsplatzes, ist ein besonderer Glücksfall, den wir erhofft haben, auf den wir aber nicht setzen durften," kommentierte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Nachricht vom erfolgreichen Abschluss der Kaufverhandlungen des Lübecker Investors HBB. Dabei waren der Meldung "Es ist alles in Sack und Tüten" langwierige Verhandlungen vorangegangen, um die erheblichen juristischen und wirtschaftlichen Hürden zu meistern. Welche Konsequenzen der Erwerb der Karstadt- und Barthel-Immobilie für die Innenstadtentwicklung hat, stand im Mittelpunkt einer Pressekonferenz am Montag, in der Stadt und HBB gemeinsam die damit einhergehenden Veränderungen präsentierten.

Planerstudie: Mögliche Ansicht des neuen Freiheitsplatzes (Blick aus Hammerstraße)
"Es werden jetzt zwei zeitgemäße Handelsimmobilien parallel am Freiheitsplatz entstehen," machten Stadt und Investor deutlich, dass der Siegerentwurf des Wettbewerblichen Dialogs nach wie vor Bestand hat. Natürlich, so OB Kaminsky und HBB-Geschäftsführer Harald Ortner, werde man die positiven Synergien, die sich daraus ergeben, nutzen. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan, der bereits vor einigen Wochen von den städtischen Gremien auf den Weg gebracht wurde, werde auf Antrag von HBB weiterentwickelt. Denn alle Änderungen, die im Zusammenhang mit der Karstadt- und Barthel-Immobilien notwendig werden, lassen sich nach Kaminskys Worten auch noch im weiteren Verfahren berücksichtigen. In diesem Zusammenhang erinnerte der OB an die frühzeitige Bürgerbeteiligung, die am 31. Dezember endete. "Uns liegen zu diesem Zeitpunkt lediglich 38 Einwendungen vor."
Zwei Punkte haben bei der Gesamtbetrachtung der Freiheitsplatzlösung, wie sie das Sieger-Konzept von HBB ausgewiesen hat, die Stadtplaner besonders beschäftigt: die Verkehrsführung für die Tiefgarage und den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) sowie das Grünkonzept. Der Ankauf des Karstadt- und Barthelgebäudes ermöglicht jetzt einen neuen Blick auf diese Fragestellungen, erläuterte Stadtrat Axel Weiss-Thiel als der zuständige Dezernent.
Da sich auf diesem zentralen Platz im Herzen der Stadt künftig zwei Handels-Immobilien befinden, die beide ein Parkraum-Angebot unterbreiten müssen, dränge sich allein angesichts der räumlichen Nähe eine gemeinsame Lösung auf, die nach den brandneuen angepassten Planungen in einer Tiefgarage mit rund 500 Parkplätzen auf zwei Ebenen mündet, die von beiden Häusern erreichbar ist und somit von beiden genutzt werden kann. Diese soll quer an der Nordseite des Freiheitsplatzes verlaufen bis an den Bangert heran, wo die Zu- und Abfahrt der Tiefgarage liegen soll. Damit könnte vor allem die Verkehrsbelastung am Kreisel im Nordosten und damit auch die Zufahrt zum ZOB entzerrt werden, so Weiss-Thiel, wo es bei dieser Konzeption keine Probleme durch Vorbeifahrmöglichkeiten für Busse bei Rückstau aus der Tiefgarage gibt. An der Ostseite des Freiheitsplatzes vor dem Finanzamt gibt es in der neuen Variante dann keinen Auto-Verkehr mehr, was dem Ziel entgegenkommt, den Individual- und den Öffentlichen Personennahverkehr konsequent zu entflechten. Wenn die Tiefgarage zudem nicht mehr, wie zuvor geplant, parallel zum Finanzamt verläuft, eröffnet sich für die dort vorgesehene Grünanlage die Option sowohl einer hochwertigeren Bepflanzung, da die Einschränkungen durch die Tiefgarage entfallen würde.
Eine klare Absage erteilten Stadt und Investor jenen Forderungen, jetzt auf die Freiheitsplatzbebauung zugunsten der alleinigen Entwicklung auf dem Karstadt- und Barthel-Areal zu verzichten. Wirtschaftsdezernent Dr. Ralf-Rainer Piesold erinnerte daran, dass Fachleute mühelos aufzeigen können, wie die fehlende publikumsorientierte Nutzung des Freiheitsplatzes neben den nicht mehr zeitgemäßen Konzepten zum Scheitern der beiden Häuser führten. Nur durch die Realisierung der mit dem Wettbewerblichen Dialog angestoßenen Innenstadtentwicklung haben diese beiden derzeit brachliegenden Handelsimmobilien eine neue Chance bekommen, so Stadtrat Dr. Piesold.
Immerhin zeichnet sich der Siegerentwurf von HBB durch ein offenes Immobilienkonzept aus, das durch seine Verknüpfung mit den bestehenden Einkaufslagen die vorhandenen Laufwege aufnimmt und sinnvoll an die Altstadt heranführt. Durch diese Entwicklung gewinnen auch die übrigen Randlagen inklusive der Karstadt- und Barthel-Immobilien an neuer Attraktivität, denn es ist davon auszugehen, dass die benachbarten Einkaufslagen des künftigen Literatur- und Einkaufsquartiers zusätzlich belebt werden. Im Fahrwasser dieser massiven Aufwertung wird der Freiheitsplatz eine neue Blüte erleben, die ohne diesen Impuls nicht vorstellbar wäre.
Wichtig ist dabei auch, dass die Konzentration des Flächenangebotes auf größere Ladengrundrisse zwischen 400 und 1.500 Quadratmetern eine wichtige Lücke auf dem Hanauer Immobilienmarkt schließt.
An all diesen Überlegungen ändert sich auch dann nichts, wenn auf dem Gelände der jetzt brachliegenden Immobilien ebenfalls zeitgemäßer Einzelhandel realisiert wird. Denn noch zu Beginn des Wettbewerblichen Dialogs waren an dieser Stelle Handelsflächen zu finden, so dass es in der Gesamtbetrachtung nicht zu einer Ausweitung der künftig zur Verfügung stehenden Verkaufsflächen kommt. Andererseits ist unter wirtschaftlichen Aspekten auch eine andere Nutzung als die einer Handelsfläche kaum möglich.
Um trotz der neuen Aspekte, die bei der Bauleitplanung berücksichtigt werden müssen, das Tempo gewohnt hoch zu halten, ist derzeit geplant, die entsprechenden Vorlagen zur Erweiterung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes schon in der konstituierenden Stadtverordnetenversammlung am 11. April einzubringen.
Eine erste Darstellung, wie sich die Planer die neue Lösung vorstellen, können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger in der gemeinsamen Sitzung des Struktur- und Umweltausschusses, des Bauausschusses, des Ausschuss Kultur, Schule, Sport sowie des Haupt- und Finanzausschusses am 31. Januar im Elisabeth-Selbert-Saal (Historisches Rathaus) anschauen. Eine weitere Gelegenheit, sich zu diesem Thema und weiteren neuen Entwicklungen des Stadtumbaus zu informieren, bietet sich beim großen Bürger-Wochenende, das vom 11. bis 13. Februar im Congress Park Hanau stattfindet.

