Was verbirgt sich unter dem Freiheitsplatz?

Zweite Archäologische Voruntersuchung beginnt am Montag


Hanau, 10. September 2010 - Nachdem der Freiheitsplatz als zentraler Dreh- und Angelpunkt in der Neugestaltung der Hanauer Innenstadt die letzten Monate scheinbar in einen Dornröschenschlaf versunken war, sind hinter den Bürotüren der Planer die Vorbereitungen für die Bauarbeiten mit Hochdruck weitergegangen. Vom kommenden Montag an wird die Realisierung des Wettbewerblichen Dialogs auf dem einstigen Paradeplatz nun auch wieder für alle sichtbar fortgesetzt: vier Wochen lang gehört eine Teil des Parkplatzes einem Archäologen-Team, das auf einem rund 400 Quadratmeter großen Feld gegenüber der Marktstraße untersuchen wird, was sich unter der schwarzen Teerdecke befinden.

Bereits im März diesen Jahres hatten erste Schürfarbeiten an der Oberfläche und Probebohrungen stattgefunden, die wichtige Erkenntnisse über die Beschaffenheit der künftigen Baugrube bringen sollten. Schon kurz nach dem Start wurde dabei auch ein Reststück der ehemaligen Stadtmauer entdeckt. Das aus dem 16. Jahrhundert datierte Mauerstück war noch rund 50 Zentimeter hoch und etwa doppelt so breit. Die ursprüngliche Festungslage zwischen Hanauer Neu- und Altstadt hatte Graf Wilhelm von Hanau, zugleich Erbprinz von Hessen-Kassel, ab dem Jahr 1767 abreißen lassen. Der nur noch zwei bis drei Steinreihen umfassende Stadtmauerrest wurden ebenso dokumentiert wie die übrigens Fundstücke, die Einblicke in Hanaus Vergangenheit gaben. Echte Überraschungen ergaben sich damals aber nicht. Deshalb konnten die Fundstelle des Mauerrests ebenso wie die übrigen Schürfen nach Abschluss der vierwöchigen Grabungszeit verfüllt und die Flächen auf dem Freiheitsplatz wieder von als Parkplatz genutzt werden.

Auf der Basis des Abschlussberichtes, der im dem Frühjahr vorlag, und in enger Abstimmung mit den Fachleuten des Landesamtes für Denkmalpflege ist nun von der kommenden Woche an eine weitere archäologische Voruntersuchung angesetzt, die das im März gewonnene Datenmaterial ergänzen soll. Die eigentlichen archäologischen Grabungen, so sehen es die Planungen derzeit noch vor, sollen begleitend erfolgen, wenn die Bauarbeiten auf dem Freiheitsplatz beginnen.

Vorerst wird für die nächsten Wochen ein Drittel der Parkplatzfläche auf dem Freiheitsplatz gesperrt, denn neben dem eigentlichen Grabungsgelände wird auch ausreichend Platz für die Container, die Baumaschinen und den Erdaushub benötigt. In einem ersten Schritt wird das Grabungsfeld zunächst auf mögliche Kampfmittel untersucht. Anschließend wird die Versiegelung entfernt und die Erde rund 60 Zentimeter abgetragen. Erst dann kommen die Archäologen zum Zuge. Die aktuellen Planungen gehen davon aus, dass dies am Mittwoch sein wird.

Während sich die Archäologen dann der Vergangenheit des Freiheitsplatzes zuwenden, gilt die Aufmerksamkeit der Stadtplaner eher der Zukunft des Areals: bei ihnen dreht sich alles um die notwendigen Bauleitplanungen, die einen fristgerechten Start der Arbeiten auf dem Freiheitsplatz möglich machen. Die archäologischen Untersuchungen sind dabei ein Mosaikstein im großen Bild, denn diese gehören zu den Vorbedingungen für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Entwicklung Freiheitsplatz". In enger Abstimmung mit der Stadt arbeitet das Lübecker Unternehmen HBB Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft die Liste der Aufgaben ab, die für die Genehmigung notwendig sind. In Anbetracht der zügigen und guten Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen hält HBB an seinem bisherigen Zeitplan und damit am Baustart im Herbst 2011 fest.